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01. Juni 2015

“Die langsame Resorption ist ein grosses Plus“

Prof. Jan Lindhe, Schweden, und Dr. Denis Cecchinato, Italien, sind Pioniere der Forschung zum Extraktionsalveolen-Management. Bei ihrem Besuch im Geistlich-Hauptsitz in der Schweiz gaben sie Einblicke in ihre Entdeckungen und klinischen Konzepte.

 

Prof. Lindhe, Sie erforschen die Knochenneubildung in Extraktionsalveolen. Was ist der heutige Wissensstand?

Prof. Lindhe: Wir haben in unseren Studien markante Unterschiede zwischen verheilten Extraktionsalveolen in verschiedenen Bereichen gefunden - zum Beispiel Oberkieferfront- versus Unterkieferseitenzahnbereich. Verschieden sind etwa die Anteile an Lamellenknochen und Knochenmark sowie die Dicke der kortikalen Schicht auf der Extraktionsalveole1. Zudem haben wir herausgefunden, dass augmentierte und nicht augmentierte Alveolen, die für mindestens ein Jahr ohne Zahn oder Implantat waren, unterschiedliches Gewebe enthalten2.

Worin besteht der Unterschied?

Prof. Lindhe: Die Neubildung von Lamellenknochen und Knochenmark findet in augmentierten Alveolen später statt als in spontanverheilten Stellen2. Nichtsdestotrotz wird ein gutes Biomaterial wie Geistlich Bio-Oss® komplett von neuem Knochen und teilweise auch neuem Knochenmark umgeben, was zeigt, dass auch hier ein Knochen-Remodeling stattfindet.

Dr. Cecchinato, hat die verzögerte Knochenneubildung einen Einfluss auf die Implantatsetzung?

Dr. Cecchinato: Nein, ich denke nicht. Berglundh und Lindhe haben schon 1997 mit Geistlich Bio-Oss® zeigen können, dass die Osseointegration im augmentierten und nicht-augmentierten Knochen genau gleich ist3.

Geistlich Bio-Oss® resorbiert langsam. Ist das ein Vor-oder Nachteil für die Ridge Preservation?

Prof. Lindhe: Die langsame Resorption ist ein grosses Plus. Darin besteht gerade der grosse Vorteil von Geistlich Bio-Oss®. Ein schneller resorbierendes Knochenersatzmaterial könnte eine Schrumpfung des Kieferkamms zum Zeitpunkt der Implantatsetzung verursachen, und das wäre ein Nachteil. Geistlich Bio-Oss® gibt langfristige Volumenstabilität und bildet zusammen mit dem neuen Knochen eine stabile Basis für das Implantat - auch wenn es die Resorption der Knochenwände nicht komplett verhindern kann.

In welchen Situationen finden Sie eine Ridge Preservation entscheidend für die spätere Behandlung?

Dr. Cecchinato: Im ästhetischen Bereich. Im Seitenzahngebiet kann es notwendig sein eine Ridge Preservation durchzuführen, um genug Volumen in der bukko-lingualen oder bukko-palatinalen Dimension zu erhalten. Aber das ist seltener der Fall. Gemäss unserem Konzept ist die mesiale Wurzel des ersten Molaren der distalste Ort für eine Implantatsetzung.

Finden Sie, dass die Ridge Preservation eine Technik ist, die jeder Zahnarzt kennen und anwenden sollte?

Prof. Lindhe: Ja. Denn das Vorgehen ist sehr einfach. Man sollte das Knochenvolumen erhalten, bevor man ein Implantat setzt. Kieferkammaugmentationen zum Zeitpunkt der Implantatsetzung sind weniger vorhersagbar.

Verena Vermeulen

 

Literatur:

  1. Lindhe J, et al. : Clin Oral Implants Res 2013; 24(4):372-77.
  2. Lindhe J, et al. : Clin Oral Implants Res 2014 ; 25(7): 786-90.
  3. Berglundh T, Lindhe J: Clin Oral Implants Res 1997; 8(2): 117-24.